Protokoll der
Naturschutzwarte-Tagung am 9.10.04
Wann: 9.10.04 von 10.00 – 15.00 Uhr
Wo: Alpenrod und Hotel zur Post in
Nistertal
Anwesende: Dr.Geißler (Vorsitz), Hr.
Mille(Bauernverband), Hr. Groß (Referent), Hr.
Kefferpütz(Bürgermeister), Hr. Eulberg(Westerburg), Hr. Görg(Daaden),
Hr. Hanz (Höhn), Hr. Kick(Altenkirchen), Hr. Kerp(Selters), Hr.
Kober(Buchfinkenland), Hr. Lechleder(Hachenburg), Hr. Panthel(Bad
Marienberg), Hr. Schmidt(Nistertal), Hr. Schmidt(Welschneudorf), Hr.
Schmitz(Buchholz), Fr. Schulz (Westerburg), Hr. Trachte(Haiger), Hr.
Wilke(Weilburg)
Entschuldigt: Wanderfreunde Averdung(Köln),
Birkenbeil(Höhr-Grenzhausen), Dickopf(Selters), Heib(Neuwied),
Horn(Westerburg), Weller(Weilburg)
TOP 1:
Exkursion einer Windkraftanlage (WKA)
Nach einer kurzen Begrüßung durch Hr. Dr. Georg
Geißler fuhren die Teilnehmer zusammen mit Herrn Karl-Heinz Groß zum
Standort dreier WKA´s, um von ihm vor Ort eine sehr engagierte
Führung zu erhalten. Zu Beginn stellte dieser wichtige Fachbücher
vor. Nach einem Einwand von Herrn Erich Kerp, dass die Fotovoltaik
nach Berichten zukunftsträchtiger als die WKA sei, begründete Herr
Karl-Heinz Groß, dass von den bisher bekannten alternativen
Energie-Gewinnungsmethoden die WKA in den nächsten 20 Jahren am
wirtschaftlichsten arbeiten werden. Er betonte, dass durch die
ausgereifte Technologie bis zu 10 % fossile Brennstoffe eingespart
werden könnten. Zudem sei die Photovoltaik-Technologie noch viel zu
hoch subventioniert. Auf den Energieaufwand beim Herstellen einer
WKA angesprochen, sagte Herr Karl-Heinz Groß, dass der energetische
Aufwand nach ca. 10 Monaten Betrieb wieder eingefahren sei. Weil die
Energieausbeute in der dritten Potenz zur Windgeschwindigkeit
steigt, sprach er sich für wesentlich größere, bis zu 150 m hohe WKA
aus. Nur solche Anlagen kommen in stärkeren Wind und könnten die auf
Dauer die vom Staat geforderte Jahreseffektivität von 65 %
erbringen. Er lehnte die Raumordnungs-Planung von WKA-Gebieten für
den Unterwesterwald (z.B. Ransbach-Baumbach) ab, weil dort keine
ausreichend hohen Windgeschwindigkeiten herrschen würden. Auf die
Entfernung von "Ruinen" angesprochen, meinte er, dass der Stahl
jederzeit mit Gewinn verwertbar sei. Der etwa 11 m Durchmesser
umfassende Betonsockel müsste jedoch allerdings verbleiben und dann
begrünt werden. Er weist darauf hin, dass bis zu 40 000 Euro als
Kaution für Abbrucharbeiten vom Betreiber hinterlegt werden müssen.
- Er setzte sich besonders für die Beteiligung der Anlieger an WKA
Projekten ein, um die Akzeptanz bei der Bevölkerung zu erhöhen.
Schließlich warfen alle Teilnehmer einen Blick ins Innere einer WKA,
die von Nahem betrachtet doch gewaltige Dimensionen aufweist. Die
Wartung ist, schon aus Gründen der Rentabilität über Telefonnetz und
Computertechnologie rund um die Uhr gewährleistet. Die Verwaltung
der WKA`s erfolgt ehrenamtlich von nur wenigen Mitarbeitern. - Für
die Teilnehmer war fernerhin von Interesse, dass sich neben
Landwirten inzwischen auch Gemeinden und Forstverwaltungen um
Verpachtung von geeignetem Land bemühen, weil die dadurch erzielten
Einnahmen attraktiv sind. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, dass
der Abstand der WKA von den Ortschaften 1000 m betragen müsse. Daher
verbleiben im Bereich Alpenrod nur noch 12 statt ursprünglich 24
Neuplanungen. Alle Teilnehmer waren der Meinung ein sehr
detailliertes Bild mit neuen Facetten erhalten zu haben, was
allerdings unsere zukünftige Entscheidung nicht erleichtern, aber
verbessern wird. Herr Karl-Heinz Groß erhält viel Applaus für seine
Führung.
TOP 2:
Bericht von Fachsitzungen.
Herr Dr. Georg Geißler trägt die wichtigsten
Punkte der letzten Hauptfachwarte-Tagung während des Wandertages in
Kühlungsborn vor. Die Hauptkompetenz der Naturschützer müsse
"Landschaft" sein. Dafür sollten sie für die verschiedensten
Verbände ein wichtiger Ansprechpartner sein. Es ist beabsichtigt,
die Präsenz unserer Naturschutzwarte des Deutschen Wanderverband in
Bonn zu stärken und zukünftig in Berlin und Brüssel einen Vertreter
zu besitzen. Als Kandidat für einen Sitz im Deutschen
Naturschutzring, dem auch der WWV angehört, wurde mit großer
Mehrheit Herr N. Dieterle vom Schwarzwald-Verein vorgeschlagen. -
Der Bundes-Naturschutzwart, Herr Dr. Hermann-Josef Roth gibt
bekannt, dass er im nächsten Jahr für eine neue Kandidatur nicht
mehr zur Verfügung stehen werde. - Der LV Hessen gibt bekannt, dass
seine Geschäftsstelle, auch für Gutachten, seit dem 1.7. geschlossen
wurde. In einer kurzen Diskussion über die Möglichkeiten der
Beteiligung des WWV am nächsten Hessentag in Weilburg wurde
festgestellt, dass aus Personalgründen nur an eine Standbesetzung am
Hauptwochenende gedacht werden könne. Die Forstreform führt in
vielen Bundesländern voraussichtlich zu einem Rückzug der
Forstbeamten aus der Öffentlichkeitsarbeit. Ansprechbarer Förster
vor Ort zu sein, werde immer schwieriger, wird von den anwesenden
Beamten Achim Panthel, Franz Kick, Thomas Schmidt und Gerhard Hanz
betont. Der WWV bedauert dies, weil die Beziehungen zu den Förstern
traditionell gut sind, diese aber wegen gehäufter Mehrarbeit nur
noch teilweise die Ziele des WWV unterstützen könnten. Auf die
Existenz eines Mitarbeiters der Forst für Waldpädagogik wird kurz
hingewiesen. Herr Geißler berichtet, dass der Naturpark Nassau die
Exkursionen aller Verbände veröffentlicht und weiträumig bewirbt.
Angebote sollten bis 16.11. an Frau Ursula Braun in Nassau geschickt
werden. Eine weitere Möglichkeit zur Veröffentlichung von Terminen
sind Broschüren der Kreis- und Forstverwaltung. Während des
Mittagessen begrüßt der Bürgermeister von Nistertal, Herr Willy
Kefferpütz, die Anwesenden und lobt das ehrenamtliche Engagement der
Anwesenden. Er hebt die Bedeutung einer gepflegten, gut erhaltenen
Landschaft für den Besucher hervor, der trotz schlechter
Wirtschaftslage immer noch nach Nistertal kommen.
TOP 3:
Anstelle des Punktes GPS wurde die Haltung der
Naturschutzwarte zur Gentechnologie diskutiert. Herr Markus Mille
vom Bauernverband führte aus, dass die Mitglieder zur Zurückhaltung
beim Anbau genetisch veränderter Pflanzen aufgerufen wurden, da die
Haftungsfragen, ausgelöst durch eine Novelle des Gengesetzes, noch
nicht eindeutig geklärt sind. Auf die Gründung von Initiativen zu "Genfreien
Zonen" im Kreis Westerwald und Altenkirchen wurde hingewiesen. Die
Teilnehmer sind der Überzeugung, dass ein Anbau von genfreien und
genveränderten Produkten nebeneinander vorkommen werde, und die
Diskussion darüber weiter aufmerksam beobachtet werden müsse. - Es
wird die Wichtigkeit einer juristischen Beratung immer deutlicher,
weil ehrenamtliche Mitarbeiter mit der Interpretation von neuen
Gesetzeslagen zunehmend überfordert sind. Herr Egon Schmidt vom ZV
Nistertal trägt seine schlechten Erfahrungen mit der ADD im
Zusammenhang mit dem Infozentrum des Feriendorfes Westerwälder
Seenplatte vor. Herr Dr. Georg Geißler wird der Sache nachgehen.
Nach kurzer, intensiver Diskussion wird ergänzt, dass das Zentrum
wohl nicht mehr gebaut wird, da zwar die LEADER PLUS Gelder aus
Brüssel bewilligt sind, die Gelder aus den Kreisen aber zur
Verwirklichung fehlen. In zwei Jahren verfallen dann auch die
zugesagten Zuschüsse aus Brüssel. Daher ist eine weitere
Intervention des WWV in Koblenz nicht vordringlich. In einem anderen
Fall wird berichtet, dass das Aufstellen von Infotafeln in einem
Naturschutzgebiet bei Hachenburg zwar sinnvoll sein kann, aber der
Antrag darf nicht erst dann den Gutachtern zugehen, wenn ein Teil
der Tafeln schon dort stehen, die Gutachter also vor vollendete
Tatsachen gestellt werden.
TOP 4:
Verschiedenes
Herr Geißler berichtet, dass zwischen dem
Rothaarsteig und dem Rheinsteig ein neuer Westerwaldsteig geplant
sei. Dieser Premiumweg muss in seinem endgültigen Verlauf zwischen
Fuchskaute und Rhein noch genau geplant werden. Die Naturschutzwarte
werden gebeten, Vorschläge für naturkundlich besonders wichtige
"Highlights" entlang des neuen Weges zu machen. - Herr Achim Panthel
vom ZV Marienberg wird zusammen mit Herrn Hermann-Josef Eulberg für
die gemeinsame Versammlung der Warte des LV Hessen mit denen des WWV
am 12/13.03.05 in Bad Marienberg Exkursionsvorschläge erarbeiten.
Bei schlechtem Wetter könnte eine Besichtigung rund ums Kloster
Marienstatt (Stromwerk, Braukeller) vorgesehen werden. Frau Irmgard
Schulz schlägt einen Besuch des Apothekergarten bei Hachenburg vor.
Die Besichtigung der Bacher Lay ist dagegen stark wetterabhängig und
daher weniger sinnvoll. - Alle Naturschutzwarte werden gebeten, sich
diesen März-Termin in Bad Marienberg zu notieren. Herr Dr. Georg
Geißler schließt gegen 15 Uhr die Versammlung, verbunden mit dem
herzlichen Dank an den Vorsitzenden des ZV Nistertal für die überaus
freundliche Aufnahme.
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