Was ist die Westerwälder Rucksackschule?
Die Westerwälder Rucksackschule ist eine
Einrichtung des Westerwald-Vereins, die eine Wanderform lehrt und
praktiziert, welche durch ganzheitliches Naturerleben und Naturbildung
gleichermaßen charakterisiert ist. Wahrnehmen mit allen Sinnen und
dabei Arten und Biotoptypen der Natur am Wegesrand kennen lernen sind
vorrangige Ziele unserer Naturerlebniswanderungen. Vorkenntnisse sind
für eine Teilnahme nicht erforderlich. Die Teilnehmer werden
allerdings stellenweise dazu angeleitet, selbstaktiv eigene
Beobachtungen, Erkundungen und Erfahrungen in und mit der Natur zu
machen.
Die Mitnahme folgender Hilfsmittel ist zu
empfehlen: Lupe, Fernglas, Bestimmungsbuch, Sitzunterlage.
Nichtmitglieder sind - wie immer - herzlich
willkommen.
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Jahresprogramm 2012
1. Frühling an Großer Nister und Ehrlicher Hardt
Datum/Uhrzeit: 21.04.12, 14.00 Uhr
Veranstalter: ZV Hachenburg
Moderation: Hermann J. Eulberg
Dauer/Streckenlänge: ca. 2,5 Std., ca. 3 km
Ort/Treffpunkt: Parkplatz Nähe Nisterbrücke an K 19 bei Heimborn
Hinweis: Es handelt sich um eine Naturerlebnis-Wanderung für Familien mit Kindern/Jugendlichen (mit anschließendem Quiz, bei dem es auch etwas zu gewinnen gibt).
2. Natur wahrnehmen mit allen Sinnen
Datum/Uhrzeit: 28.04.12, 14.00 Uhr
Veranstalter: ZV Selters
Moderation: Hermann J. Eulberg
Dauer/Streckenlänge: ca. 2,5 Std., ca. 3 km
Ort/Treffpunkt: Selters, Oberwald-Hütte
Hinweis: Diese Wanderung ist auch für Familien mit Kindern geeignet.
3. Naturerleben im Naturschutzgebiet Schimmerich
Datum/Uhrzeit: 20.05.12, 9.00 Uhr
Veranstalter: ZV Daaden
Moderation: Hermann J. Eulberg
Dauer/Streckenlänge: ca. 2,5 Std., ca. 3 km
Ort/Treffpunkt: Daaden, Festplatz in der Nähe des Bahnhofs Daaden (Parkplatz P1)
4. Wasser, Wiesen und Wald im Rosbachtal
Datum/Uhrzeit: 16.06.12, 14.00 Uhr
Veranstalter: ZV Hachenburg
Moderation: Hermann J. Eulberg
Dauer/Streckenlänge: ca. 2,5 Std., ca. 2,5 km
Ort/Treffpunkt: Parkplatz Freizeitgelände Rosenheim an K 115
Hinweis: Es handelt sich um eine Naturerlebnis-Wanderung für Familien mit Kindern/Jugendlichen (mit anschließendem Quiz, bei dem es auch etwas zu gewinnen gibt).
5. Kräuterwanderung rund um Hillscheid
Datum/Uhrzeit: 18.08.12, 14.00 Uhr
Veranstalter: ZV Hillscheid
Moderation: Hermann J. Eulberg
Dauer: ca. 2,5 Std.
Ort/Treffpunkt: Hillscheid, Parkplatz ehem. Edeka
6. Naturerkundung im Hachenburger Land
Datum/Uhrzeit: 16.09.12
Veranstalter: ZV Hachenburg
Moderation: Hermann J. Eulberg
Dauer/Streckenlänge: ca. 3 Std., 4 km
Ort/Treffpunkt: Hachenburg, Stadthalle
Hinweis: Die Veranstaltung findet im Rahmen des Sterntreffens 2012 statt. Die Uhrzeit stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest (voraussichtlich: 9.00 Uhr).
Wichtiger Hinweis: Das Jahresprogramm ist vorläufig und wird ggf. im Laufe des Jahres aktualisiert (insbesondere erweitert).
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Jahresbericht der Westerwälder
Rucksackschule für das Wanderjahr 2011
Diesmal sei für den Jahresbericht aus dem Reigen der im Wanderjahr 2011 stattgefundenen Rucksackschul-Veranstaltungen einmal eine Rucksackschule herausgegriffen, die für den Zweigverein Hachenburg am 14.5.11 in Rotenhain durchgeführt wurde.
Gewittrig droht der Himmel an diesem Samstagnachmittag mit Donner, Blitz und Regen. Aber siehe da: Nicht einmal diese bedrohliche Wetterlage kann viele Familien mit Kindern (32 Personen, davon etwa die Hälfte Kinder) davon abhalten, mit unserer Rucksackschule (Moderator: Hermann J. Eulberg) einen erlebnisreichen Naturspaziergang durch die Rotenhainer Gemarkung zu unternehmen.
Unterstützt vom Flurschütz und Mitglied des Vereins Historica, Herrn Baldus, geht es zunächst auf dem weich gepolsterten „Eichenpfad“ am Waldrand entlang Richtung Waldstück „Schäfersroth“. Auffällig bereits hier die einseitig beasteten Randeichen und üppige Heidelbeerhorste, die die Bodenversauerung des nahen Fichtenwaldes anzeigen. Dann plötzlich am Ende des Pfades ein merkwürdig geradlinig verlaufender Wall quer durch den Fichtenwald. Wir stehen vor dem „Römerwall“, dessen vermutliche ehemalige Bedeutung und dessen Verlauf uns Herr Baldus sachkundig erklärt. Die kurzzeitige Ersteigung des Walls ist für die Kinder natürlich ein Muss.
Am Hauptweg leuchten uns sodann die filigranen Blütensterne der Hain-Sternmiere entgegen. Wir machen zwar nicht das alte Spielchen „Er liebt mich, er liebt mich nicht, ...“, aber wir zählen einmal die Blütenblätter. Merkwürdig, die Zahl ist immer eine gerade. Aber weit gefehlt, denn die festgestellte Anzahl der Blütenblätter ist immer inkorrekt, denn in Wirklichkeit sind es nur halb so viele wie gezählt. Wenn wir zwei benachbarte Blütenzipfel aus dem Blütenboden herauszupfen, erkennen wir den Grund: Alle Blütenblätter sind tief gespalten, was man ohne genauere Untersuchung nicht erkennen kann. Für naturentfremdete Erwachsene vielleicht völlig uninteressant, für Kinder aber, die mit offenen und staunenden Augen die Welt erkunden, ein erstaunliches Naturphänomen!
Beim Durchwandern des Buchenwaldes stellen wir fest, dass das Mailaub bereits stellenweise braun gefleckt ist: Fraßlöcher verweisen auf einen kleinen Schädling, den nur ca. 2 mm großen Buchenspringrüssler (Käfer), der sich hier gütlich getan hat. Und dann noch ein schwirrender Vogelgesang aus der Tiefe des Buchenhochwaldes, der Waldlaubsänger, ein geradezu charakteristisches, akustisches Signal für den Maienmonat. Bald verlassen wir den Wald und stoßen am Wegrand auf viele Exemplare des filigranen Waldschachtelhalms. Manchem ist das Gewächs noch völlig unbekannt. Der Name wird zunächst verschwiegen. Durch Untersuchung des Stängels wird aber bald und unvergesslich klar, warum er so heißt: Die Stängelteile sind ineinandergeschachtelt. Ein Verweis auf die vor ca. 300 Mill. Jahren existierenden, baumhohen „Schachtelhalmwälder“, dem überwiegenden Ausgangsmaterial unserer Steinkohle, darf natürlich nicht fehlen. Bald ist auch unser Riechorgan gefragt. Wir schnuppern an den zerriebenen Blättern von Knoblauchsrauke und Rainfarn. Im ersteren Fall steigt uns ein intensiver Lauchduft in die Nase, beim Rainfarn ein sehr aromatischer, fast an eine Medizin erinnernder Duft. Weitere Hinweise ergänzen die Sinneseindrücke.
Der Hochwald hat uns wieder aufgenommen. Vorbei an duftenden Schattenblümchen, nahen Verwandten des Maiglöckchens, und viel blühendem Waldmeister steuern wir auf einen liegenden, schon sehr morschen Baumstamm zu und konfrontieren uns mit der Frage, ob der Förster wohl vergessen hat, ihn zu entfernen. Kaum haben wir das Holz ein wenig untersucht, beantwortet uns die Natur die gestellte Frage schon ganz von selbst: Ein kleiner Grasfrosch springt plötzlich aus dem Holzmulm und fasziniert verständlicherweise sofort alle Kinder. Aha: Gerade derzeit, in einer Trockenperiode, sucht er Schutz vor Austrocknung. Der Holzstamm ist also Schutzraum, Lebensraum und das nicht nur für ihn. Totholz lässt man also heute im Wald liegen, denn es ist Lebensraum und Nahrungsquelle für viele Tier- und Pflanzenarten und stellt im Stoffkreislauf der Natur (Mineralisierung) später den Waldpflanzen Nährstoffe in Form von fruchtbarem Humus zur Verfügung.
Am Waldrand wartet noch ein fast ausgetrockneter Waldbach an einer Furt auf unsere Erkundung. Wir heben ein paar Steine aus dem Bachbett und drehen sie um: Auf der Steinunterseite zucken und wuseln viele Kleintiere flüchtend davon, was besonders die Aufmerksamkeit der Kinder sehr anspricht. Es handelt sich um Fliegenlarven (Eintags- bzw. Steinfliegenlarven), die durch ihre Existenz hier darüber Auskunft geben, dass dieses Bachwasser sich durch gute Qualität (Gewässergüte) auszeichnet.
Bald haben wir es geschafft. Ein Schneeballstrauch mit seinen schneeweißen Randblüten im Blütenstand (steril, Funktion der Anlockung von Insekten) zeigt uns noch einmal die Schönheit und Sinnhaftigkeit der Natur und nach ca. einem Kilometer sind wir schließlich am Ausgangspunkt wieder angelangt. Aber ein besonderes Highlight steht uns noch bevor: die wiederaufgebaute „Alte Burg“ von Rotenhain, auch „Motte“ genannt. Dank Herrn Baldus vom Verein Historica wird uns Einlass gewährt. Und wird sind bass erstaunt: Der Anblick von außen und die im mittelalterlichen Stil eingerichteten Räumlichkeiten beeindrucken sehr, obwohl noch nicht alles fertiggestellt ist.
Müde und reich an vielen Eindrücken gilt es schließlich noch ein kleines Quiz zu meistern. Auch dank der Mithilfe der Eltern ist das kein Problem und jedes Kind erhält schließlich als Anerkennung vom Verein einen kleinen Naturführer, der den Kindern hilft, nun zu „richtigen Naturprofis“ zu werden.
Im Wanderjahr 2011 wurden für folgende Zweigvereine und Institutionen Veranstaltungen der Westerwälder Rucksackschule durchgeführt: Westerwald-Verein/Hauptverein (Wanderführerlehrgang), ZV Hachenburg (zweimal), ZV Daaden, ZV Hillscheid, ZV Rennerod (Sterntreffen).
Hermann J. Eulberg
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20 Jahre Westerwälder Rucksackschule
Nun existiert sie also schon im
20. Jahr, unsere Westerwälder Rucksackschule, und ist damit zu einer
der langlebigsten Rucksackschulen im deutschsprachigen Raum geworden.
Ins Leben gerufen 1988 auf dem Herborner Umweltforum anlässlich des
100jährigen Bestehens unseres Vereins, hat sich diese eigenständige
Vereinseinrichtung inzwischen im Verein bestens etabliert. Auch der
Name „Rucksackschule“, der anfänglich zu Irritationen Anlass gab, wird
inzwischen auch außerhalb des Vereins mit dem Erleben von Natur - beim
Wandern - in Verbindung gebracht. Nicht umsonst haben wir unsere
Veranstaltungen von Anfang an auch Naturerlebniswanderungen genannt.
Unter dem Motto „Natur am Wegesrand“ geht es also vor allem um das
Naturerlebnis, pädagogisch inszeniert oder spontan wahrgenommen, aber
auch um Naturbildung. Letzteres meint das Kennenlernen von Tier- und
Pflanzenarten, von Biotoptypen und das Verstehen einfacher
ökologischer Zusammenhänge. Denn nur das, was wir kennen und
wertschätzen, sind wir auch bereit zu schützen. Somit leistet unsere
Rucksackschule einen wichtigen, grundlegenden, motivationalen Beitrag
zum Naturschutz.
Zielgruppe unserer
Veranstaltungen sind besonders – aber nicht nur – Familien mit
Kindern. Ihnen gleichermaßen, also Kindern und Erwachsenen, Natur beim
Wandern nahe bringen, oft auch spielerisch, ist eine unserer
vorrangigsten Aufgaben. Dabei schärfen die Teilnehmer auch ihren Blick
für die Schönheiten der Natur, nehmen unter Beteiligung all ihrer
Sinne bewusster wahr, was da am Wegesrand oder in der Ferne ist: eine
wunderschöne Blüte, eine farbenfroh getupfte Schmetterlingsraupe oder
eine unberührte Landschaft. Natur kennen lernen und dabei auch Natur
genießen, beides in Einklang zu bringen, ist der Rucksackschule ein
besonderes Anliegen – und liegt damit voll im Trend des modernen
Wandertourismus.
Anlässlich des diesjährigen
Sterntreffens in Nistertal wurde an unser „unechtes“ Jubiläum, 20
Jahre Westerwälder Rucksackschule, mit einer Wanderausstellung (s.
Foto) erinnert. Sie zeigt mit Hilfe der Bilder und des Begleittextes
das Konzept, die Zielsetzung und Momentaufnahmen von verschiedenen
Veranstaltungen. Die meisten Bilder stammen von dem Westerwälder
Naturfotografen Willi Bäumer (†) aus Halbs.
Hermann J. Eulberg
Beauftragter der Westerwälder
Rucksackschule des WWV