ZNL-Fortbildung 2018

Fotos: Ludwig Kreitner

 

 

Ökosystem Nister

Ökosystem Nister - eine hoch interessante Fortbildung! "Wie so oft, weiß man vieles erst richtig zu schätzen, je mehr man darüber erfährt …" Nicht nur für Natur- und Landschaftsführer/innen im Westerwald ist es interessant zu erfahren, welche Organismen im Ökosystem Nister leben und welchen Herausforderungen sich dieses Ökosystem jeden Tag zu stellen hat. Walter Hammes vom NABU Waldbreitbach erläuterte mit viel Fachwissen und anhand von Beispielen den grundsätzlichen Aufbau von Fließgewässern. Ein besonderes Augenmerk galt den für den Westerwald typischen Fließgewässerökosystemen wie der Wied und der Nister und den etablierten natürlichen Steuer- und Regelprozessen. Interessant waren natürlich auch die Erklärungen zu Grundlagen und die Zusammenhänge zwischen Kleinstlebewesen, Nährstoffeinträge und „ökologischen Dienstleistern“ und deren Einfluss auf ein intaktes Fließgewässer. In der nachfolgenden Präsentation wurde den Teilnehmern dann durch Rainer Lemmer mit "ZDF" (Zahlen, Daten und Fakten) sehr interessante Informationen zu den Fließgewässern des Westerwaldes vermittelt. Mit Manfred Fetthauer ging es dann so richtig in die Einzelheiten. In seinem Bericht über die Nister und die doch sehr aktuelle Gefährdung eines für den Westerwald einzigartigen, Ökosystems. Mit viel Engagement, Fachwissen und jahrelanger Praxiserfahrung erklärte Manfred wie es an der Nister früher war, wie sich zunehmend die Gewässerqualität der Nister durch anthropogene Einflussfaktoren von einem intaktem Ökosystem in ein gefährdetes veränderte und welche Herausforderungen er und seine Mitstreiter von der ARGE Nister sich stellen. Früher war alles besser - sagt man - und am Beispiel von historischen Aufzeichnungen und Erzählungen kann man dies für die Nister sehr gut belegen. Beispielsweise kam noch um die Jahrhundertwende die Flussperlmuschel in großen Muschelbänken in der Nister vor. Große Schwärme von Lachsen, Meerforellen und Nasen stiegen regelmäßig in die Nister zu den Laichgewässern auf um zu laichen. Diese Zeiten sind lange vorbei und werden wahrscheinlich auch in der Form nicht wieder vorkommen - ABER - erste Schritte zur Veränderung sind schon seit einigen Jahren gemacht. Manfred lieferte mit seinem Vortrag einen hoch interessanten Überblick über die Erfolge, die Rückschläge, die Herausforderungen und die auch teilweisen unterschiedlichen Interessenlagen von Nister-Anrainern, Naturschützern, Anglern, Behörden und Privatleuten. Zwischen der Mittagspause, ausgerichtet durch das Team "ehm Ahlen Backes" mit "heißer Fleischwurst, Kaffee und Kuchen" stand dann noch Rainers Vortrag "Gefahren für das Ökosystem durch Neophyten und Neozoen". Wie unterscheiden sich "Neobiota und Archäobiota? Was sind denn invasive Neobiota und warum stellen die ein Problem für unsere indigenen (einheimischen Arten) dar? Wie groß sind die Probleme? Alle diese Fragen konnte Rainer ausführlich beantworten und dabei auch, zum Erstaunen der Anwesenden, über freilebende Nandus (Südamerikanische Straußenart) im Mecklenburg-Vorpommern, Rotwangenschildkröten im Hahner See, und Halsbandsittiche am Wiesbadener Kurhaus, berichten. Nach der Mittagspause startete dann der praktische Teil mit dem Besuch der Flussperlmuschel Zuchtanstalt und die Seminarteilnehmer konnten dann Nachzuchten von Flussperlmuschel und Bachmuschel in Augenschein nehmen. Manfred und Rainer, beide in Wathosen "wasserdicht" verpackt, fingen dann im Rahmen der Elektrobefischung verschiedene Fischarten. Von insgesamt 23, heute in der Nister vorkommenden Fischarten, konnten 10 eindeutig bestimmt werden (Lachs, Bachforelle, Rotauge, Döbel. Schneider, Nase, Barbe, Hasel, Gründling, Elritze) "Ich hätte nie gedacht dass es hier so viele Fische im flachen Wasser direkt vor der Nisterbrücke gibt" … war nur einer der überraschten Kommentare der Fortbildungsteilnehmer. Während der Exkursion entlang des Nisterufers erläuterte Manfred dann auch noch was es mit dem charakteristischen "Aufblitzen der Flanken der Nasen" auf sich hat, das beim Abweiden der Algen von den Steinen am Gewässergrund deutlich zu sehen war. Nach weiteren Erklärungen zu dem Projekt "Renaturierung von Altarmen" und den aktuellen Forschungsprojekten der Uni Koblenz und der Rückkehr in das Dorfgemeinschaftshaus in Stein-Wingert endete eine hoch interessante und informative Fortbildung.

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