Herbststerntreffen – ganz nah am Himmel

 

Ein Tag – wie kein anderer!

von Hans-Jürgen Pletz

3:00 Uhr in der Früh, der Wecker klingelt erbarmungslos. Aufsteh‘n! Noch schlaftrunken frag ich mich: „Was ist denn heut? Es fällt mir aber schnell ein, Sterntreffen vom Westerwald-Verein.“
Es hilft alles nichts, ich muss raus. Nach kurzer Morgentoilette geht’s in die Backstube. Brot backen, Brötchen backen, Kuchen backen – für 170 Personen, für die Familie wird gleich mitgebacken. Alles was am Vortag vorbereitet werden konnte, war schon gemacht – Sauerteig fürs Brot, Zutaten für alle Teige und Backwaren schon abgewogen und bereit gestellt. Sohn Sebastian kommt auch schon und hilft fleißig mit, damit auch alles pünktlich fertig wird. Es läuft gut. Um 1/2acht ist alles fertig gebacken.
Meine Frau Brigitte hat mittlerweile schon die Tische dekoriert, Kaffee gemahlen, die Kasse mit Wechselgeld versorgt und für die Familie das Frühstück vorbereitet. Meine Söhne Timo und Robert sind mittlerweile auch zu uns gestoßen. Um 7:45 Uhr frühstücken wir gemeinsam. Schwiegertöchter und Enkel waren leider ausgerechnet an diesem Tag anderweitig eingeladen – aber wir schaffen das.
Kurz nach acht, die ersten Wandergäste kommen – Frühstück vorbei! Umziehen, Gäste begrüßen, Anmeldeliste durch checken und Gruppen einteilen. Das Telefon klingelt. Die Musikerin, die die musikalische Wanderung begleiten sollte sagt aus gesundheitlichen Gründen ab. Schade, es muss auch so gehen.
Meine drei Söhne beginnen mit weiteren Vorbereitungen für‘s Treffen. Timo bereitet das Essen vor. Den Erbseneintopf hat er schon am Vortag zubereitet. Der muss jetzt schonend erwärmt werden. Der Leberkäse, vom Bauer Grün aus Driedorf, braucht drei Stunden bei 130 Grad Celsius, bis er gebacken ist. Er muss um 9:30 in den Ofen. Die „Aubacher Viertel“ haben noch etwas Zeit. Sohn Sebastian bereitet Buttercreme zu, füllt damit die Kuchen, überzieht den Schokoladenkuchen mit Kuvertüre und den Butterkuchen mit einem Gemisch aus Guter Butter und Puderzucker. Sohn Robert kümmert sich um die Getränke, den Bereich im Hof und die abgesperrte Straße.
Meine Frau bietet, nachdem der Frühstückstisch abgeräumt ist, den mittlerweile zahlreich erschienenen Wanderern an, sich schon Essensmarken zu kaufen, mit dem Vorteil, bei der Ankunft nach der Wanderung sich gleich bei der Essensausgabe die gewählte Speise abzuholen, ohne an der Kasse dann anstehen zu müssen. Es läuft gut.

„Kann ich noch bei Wanderung eins mitmachen, ich habe mich aber für Wanderung vier angemeldet“? - fragt ein Wanderer. „Ist bei der Rothaar- Westerwald-Steigtour noch Platz?“ - so eine andere Wanderin. Meine Excel-Liste mit allen Anmeldungen für die vier Touren gerät ins schwanken.

Mittlerweile ist der Bus für die erste Wanderung, die „Gipfeltour“, vorgefahren. Wanderführer: Bundesförster Christof Hast, Ralf Sauer und Verena Killadt. Hier müssen zunächst alle Beteiligten wegen der Strecke über den Stegskopf, ein von der BIMA vorgefertigtes Formular ausfüllen. Trotzdem kann der Bus von der Firma Beul pünktlich um 9:00 Uhr mit über 30 Teilnehmern abfahren. Der Bereich vorm Heimatstübchen beginnt sich weiter zu füllen. Insgesamt haben sich über 150 Personen am Sterntreffen angemeldet. Auch die Wanderung zwei, die Rothaar-Westerwald-Steig-Tour mit 32 Personen fährt pünktlich um 9:30 Uhr Richtung Krombachtalsperre ab. Wanderführer: Eberhard Ullrich und Werner Daum. Wanderung drei, die Fahrradwanderung, die bei diesem Sterntreffen Premiere hat, geht um 10:00 Uhr mit acht Teilnehmern auf die interessante Strecke durch den hessischen Westerwald. Wanderführer: Andreas Schmidt und Hans-Werner Schütz.
Die größte Gruppe mit 59 gemeldeten Teilnehmern ist die musikalisch-literarische Wanderung, die von mir und Hartmut König geführt wird. Diese startete dann als Wanderung vier um 10:00 Uhr auf einen imposanten Rundweg um Willingen und die Fuchskaute. Hartmut König, Fachbereichsleiter Natur- und Landschaft im Hauptverein, hat sein Jagdhorn (Parforcehorn) mitgebracht um einige Lieder und Jagdsignale zu blasen. Er spielt zunächst den Jäger aus Kurpfalz und danach das Signal: „Auf zur Jagd“. Bevor die Gruppe losgeht erklingt das Lied „Im Frühtau zu Berge ...“. Alle singen fröhlich mit. Ein großer „Wanderchor“ geht auf die sechs km lange Strecke. Erster Halt: an der Nisterquelle (Große Nister). König und ich geben einige interessante Informationen zu dem zweitlängsten Fluss im Westerwald. Nach einer etwas steileren Passage bergauf kommen wir zu einer Stelle, wo bei ganz klarer Sicht der Kahle Asten im Sauerland zu sehen ist. Das kommt allerdings sehr selten vor. Nach weiteren 200 m treffen wir auf den Rothaarsteig. Hier erklingt wieder das Jagdhorn. König spielt verschiedene Jagdsignale und erklärt ihre Geschichte. Dass die Wanderer literarisches Verständnis haben wurde spätestens jetzt klar, als einige Wanderer bekannte Zitate von Ringelnatz & Co. vortrugen. Nach ca. 500 m durchquerten wir die „Jubiläumsallee“ in Richtung Fuchskaute. Bald erreichten wir einen Rastplatz vom Rothaarsteig, der eine schöne Aussicht über Willingen zum Salzburger Kopf bot. Hier passte das Jahreszeitengedicht „Die Wäller Heimat“ von mir sehr gut hin, was ich dann auch zur Freude der Teilnehmer vortrug. Nach 10 Minuten erreichten wir gemeinsam die Fuchskaute, den Gipfel des Westerwaldes. Hier wurde das Lied „Mein Vater war ein Wandersmann ...“ von der musikalisch-literarischen Wandergruppe gekonnt intoniert. Ich erzählte von dem Naturschutzgebiet und den vielen vom aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten, die es hier noch gibt. Hier oben treffen viele Wanderwege zusammen: Europäischer Wanderweg Nr. 1, Westerwald-Steig, Rothaarsteig, Jubiläumswanderweg des Westerwald-Vereins, Arnika-Rundweg, Missionsweg und viele örtliche Wanderwege. Nach einem lustigen Gedicht über den Auerhahn, vorgetragen von König, ging es weiter auf dem Arnika-Rundweg durch die „parkähnliche“ Landschaft der Wacholderheide. Noch einmal kam das Jagdhorn von König zum Einsatz. Jetzt war es aber Zeit, den Weg in Richtung Heimatstübchen einzuschlagen. Nach zwei Stunden und 45 Minuten war das Ziel erreicht. Alle waren sich einig: dass hat Spaß gemacht. Jetzt konnte der entstandene Hunger und Durst mit entsprechenden Speisen und Getränken gestillt werden.
Familie und Freunde hatten währenddessen beim Heimatstübchen alles im Griff. Es lief gut.
Etwas ungewöhnlich für unser Team, aber kein Problem, gleich nach dem Essen verlangte man Kuchen und Kaffee. Ich schnitt über 200 Stücke Kuchen, die wie „Warme Semmeln“ auch weggingen. Die drei Jung‘s kümmerten sich um‘s Essen, meine Frau um den Verkauf der angebotenen Leckereien und die anderen im Team um Kaffee und Kuchen. Mittlerweile waren die Fahrradwanderer und die Rothaar-Westerwald-Steig-Tour auch am Ziel Heimatstübchen angekommen und stärkten sich in zwangloser, lockerer Atmosphäre mit Erbseneintopf, Leberkäse, Fleischwurst, Brot, Brötchen, Kuchen und Getränken. Die Stimmung bei den bisher angekommenen drei Gruppen war außergewöhnlich gut.
Der erste Vorsitzende des Westerwald-Vereins, Landrat Achim Schwickert, war schon frühzeitig angereist und erstaunt über die tolle Atmosphäre beim Heimatstübchen. Jetzt kamen auch schon die Musikerinnen des Akkordeonorchesters Westerwald mit ihrem Schlagzeuger und bauten ihre Instrumente auf. Noch zwei Stühle und einige Kissen und schon ging es pünktlich um 14:00 Uhr los. Das Orchester mit vierzehn Personen spielte schwungvoll und gekonnt unter der Leitung von Diplom- Musikpädagogin Ursula Maurer auf. Schnell hatten sie das Publikum auf ihrer Seite. Alles passte.
Plötzlich gab es Beifall bei den Anwesenden Wandergästen. Die „Gipfelstürmer“ mit der 18 km langen Tour, erreichten nach etwa fünfeinhalb Stunden ihr Ziel. Etwas abgespannt aber glücklich über die geschaffte Leistung war jetzt Stärkung angesagt. Die Küche hatte noch alles in genügender Menge zu bieten.

Bei einer Tasse Kaffee komme ich etwas zur Ruhe und erinnere ich mich an die letzten Wochen der Vorbereitung: Wandertouren ausarbeiten, Wanderführer bestellen, welche Speisen soll es geben, Einladungen und Anmeldungen gestalten, Straßensperrung beantragen, Wimpel gestalten, Musikgruppe engagieren, Bus bestellen, Absperrungen besorgen, Zelt, Tische, Bänke organisieren, Getränke bestellen, Preise kalkulieren usw.

Nach einer guten halben Stunde der Entspannung für die „Langwanderer“ kam dann die traditionelle Wimpelübergabe. Jetzt wurde es offiziell: Begrüßung der Wanderer, der Ehrengäste und Verteilung der Wandertagswimpel. Schwickert ließ in seiner Ansprache nicht aus, dass dieses Sterntreffen in Willingen stattfindet, weil sich kein Zweigverein dazu bereit erklärt hatte eines durchzuführen. Er scherzte, dass ich die Entscheidung getroffen habe das Sterntreffen 2019 zu gestalten, ohne meine Familie darüber informiert zu haben. 20 Zweigvereine waren da, um den Wimpel mit dem Slogan „Ganz nah am Himmel“ zu empfangen. Je ein Vertreter eines Zweigvereins nahm den Wimpel von Schwickert in Empfang. Das gemeinsame Erinnerungsfoto wurde dann von Markus Müller, Fachbereichsleiter Medien im Hauptverein, geschossen. Zum Ausklang sangen alle, mit Orchesterbegleitung, die Deutsche Wanderhymne, der ich zwei „Wäller“ Strophen zugedichtet hatte. Solche Aktionen schweißen zusammen. Es war eine lockere, verbindende Atmosphäre beim Heimatstübchen in Willingen, die manchen Verantwortlichen in den Zweigvereinen ermunterte, in den nächsten Jahren doch wieder ein Sterntreffen durchzuführen.

Sehr viele Wanderer bedankten sich beim Abschied für diesen tollen Tag. „Ein unvergesslicher Tag!“ - Das schönste Sterntreffen, dass ich je erlebt habe!“ - „Alles perfekt organisiert!“ - waren die Kommentare einiger Teilnehmer. Das war für mich, meine Familie und Freunde dann die Bestätigung alles Richtig gemacht zu haben. Jetzt war aber noch lange nicht Schluss. Aufräumen, Abbauen, reinigen, putzen … Ich und unser gesamtes Team waren etwas Müde geworden. Aber mit durchaus positiven Gedanken ging ein strahlender Tag zu Ende. Das Herbststerntreffen 2019 wurde seinem Motto „Ganz nah am Himmel“ mehr als gerecht. Es war ein Himmel, in einem strahlenden blau, den ich so noch nicht gesehen hatte.

Ein großer Dank an alle Wanderführer, an Herrn Bundesförster Hast, an die Geschäftsstelle in Montabaur und an Hartmut König mit seinem Jagdhorn. Ein ganz besonderer Dank an meine Frau Brigitte, meine Söhne und unser gesamtes Team. Danke auch an alle Wandergäste, denn ohne die gäbe es kein Sterntreffen. Danke dem Akkordeonorchester Westerwald und dem Busunternehmen Beul für die günstige Pauschale. Es war ein überaus schöner Tag – ganz nah am Himmel!

Ein Tag – wie kein anderer!

Auch die drei anderen Wanderungen, an denen ich nicht teilnehmen konnte, waren laut Teilnehmer außerordentlich erfolgreich. 

 

 

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